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Wir brauchen Geld, um zu arbeiten – Zukunftsdialog Religion & Gesellschaft gestartet

Welche Perspektive bietet die christliche Kultur bezüglich der Entwicklung der Arbeit in Zukunft? Respektive: Wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen mit dem Christentum vereinbar? Die christliche Soziallehre weist eine lange Tradition auf im Nachdenken über Lohn, Arbeit und Bedingungslosigkeit und bietet ein vielfältiges Argumentarium für eine spannende Diskussion. Dieser hat das Institut Zukunft mit dem im November 2015 gestarteten «Zukunftsdialog Religion & Gesellschaft» eine Plattform geboten. Es debattierten Adolf Muschg (Autor), Jeannette Behringer (Gesellschaft & Ethik, reformierte Kirche ZH), Torsten Meireis (Professor für Systematische Theologie, Uni Bern) und Urban Federer (Abt Kloster Einsiedeln). Vier Ausschnitte:

 

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Urban Federer ist Abt des Kloster Einsiedeln. Seine Gemeinschaft lebt nach der 1500 Jahre alten Regel des Benedikt von Nursia:
«Arbeit bringt uns Menschen die Würde, die uns in meinem Glauben eigen ist, nämlich Ebenbild Gottes und damit auch Mitverantwortliche in der Schöpfung zu sein. Deshalb kann Geld Arbeit nicht wirklich entgelten. Aber als Grundeigentum kann es Arbeit ermöglichen. Wir arbeiten im Kloster nicht in erster Linie, um Geld zu verdienen, sondern brauchen Geld, um zu arbeiten.» 

 

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Für Jeannette Behringer, Politologin und Mitarbeiterin im Bereich «Gesellschaft & Ethik» der evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Zürich, ist der Aspekt der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung zentral:
«Wenn es das Ziel des Grundeinkommens ist, „der gesamten Bevölkerung ein menschenwürdiges Dasein und die Teilnahme am öffentlichen Leben zu ermöglichen“, muss die Diskussion die Auswirkungen auf alle Aspekte des Tätigseins einbeziehen: auf das freiwillige bürgerschaftliche Engagement und die nicht freiwillige Fürsorgearbeit ebenso wie auf die bezahlte Erwerbsarbeit.»

 

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Torsten Meireis, Professor für Systematische Theologie und Ethik an der Universität Bern wiederum korrigiert die vermeintliche Unvereinbarkeit des protestantischen Arbeitsethos und der Idee des Grundeinkommens:
«Aus protestantischer Sicht spricht erst mal nichts gegen, aber sehr viel für ein Grundeinkommen als Basis einer gesellschaftlichen Veränderung. Diese Basis besteht in der reformatorischen Vorstellung der doppelten Berufung – wir alle sind berufen einerseits in die Gemeinde Christi, andererseits zum Dienst am Nächsten. Auch der Dienst am Nächsten ist keineswegs voraussetzungslos. Er braucht soziales, kulturelles und ökonomisches Kapital.»

 

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Adolf Muschg schliesslich zitierte die Geschichte von Martha und Maria aus dem Lukasevangelium. Der Autor und emeritierte Professor für Germanistik regt zum Nachdenken über scheinbare ökonomische Sachzwänge an:
«Immer mehr Menschen fallen aus dem Arbeitsmarkt, zugleich vergrössert sich die Arbeit, die sich „nicht lohnt“ – und die doch getan sein muss. In der Gewissheit, dass die Produktivität des Homo Sapiens nie grösser gewesen ist als heute, dass die Lebensgüter – besser verteilt – für alle reichen, definiert das Grundeinkommen die Arbeit, die es mehr als je gibt, nach neuen Spielregeln.» 

 

Mehr zum Thema in verschiedenen Pressebeiträgen:

 

Fortsetzung der Debatte:
Am 21. Januar 2016 um 18.00 Uhr (Restaurant Au Premier, 1. Stock, Hauptbahnhof Zürich) findet ein Treffen kirchennaher Personen statt, die sich aktiv an der christlichen Diskussion des Grundeinkommens beteiligen möchten. Interessierte wenden sich an Res Peter (Pfarrer Neumünster Zürich) oder an Luzia Budmiger (Institut Zukunft).

1 Comment
  • Pius Lischer

    Januar 10, 2016 at 8:29 am Antworten

    Grüezi
    Wenn das Grundeinkommen mit Lenkungsabgaben für Energie, CO2, Land und andere Gemeingüter finanziert wird werden wir damit alle globalen Probleme lösen.

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